| W-Seminar Geschichte |
| Geschrieben von Dr. Reinhard Höllerich am Mittwoch, 4. November 2009 | |
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Was verrät es uns über die Zeit, in der es von der Urgroßmutter angelegt wurde? Warum können wir die Texte heute nicht mehr so ohne weiteres lesen? Solche Fragen bewegen zurzeit die Teilnehmer am Wissenschaftspropädeutischen Seminar Geschichte der Q11 mit dem Thema „Geschichte des Nahraums an Alltagsquellen". Hier geht es in erster Linie darum, sich mit den Werkzeugen des Historikers vertraut zu machen, also mit den Hilfswissenschaften wie der Chronologie, der Diplomatik, Sphragistik, Genealogie, Historiographie, Archäologie, Archivkunde, und natürlich auch der Paläographie, der Wissenschaft von den geschichtlichen Vorstufen unserer Schrift, um Alltagsquellen aus dem Nahraum und dem persönlichen Umfeld der Schüler richtig auswerten, interpretieren und verarbeiten zu können. Wenn man Urkunden aus der Zeit des 14. bis 19. Jahrhunderts lesen will, muss man sich mit der deutschen Kurrentschrift bzw. Kanzleischrift dieser Zeiträume vertraut machen. Für das Seminar war dabei eine wesentliche Frage, mit welchen Schreibwerkzeugen und mit welchen Materialen in früherer Zeit geschrieben wurde. Die Seminarteilnehmerin Stefanie Roßner hat kurzerhand aus ihrem ländlichen Umfeld einige „Flederwische" von geschlachteten Gänsen - wir befinden uns kalendarisch im Vorfeld des Martinstags, wo die Martinsgänse auf den Tisch kommen - besorgt, aus denen der Kursleiter (Dr. Höllerich) die so wichtigen „Federkiele" gelöst hat, mit denen später geschrieben werden sollte. Die weitere Prozedur von der Beseitigung der Bindehaut der Kiele, dem Anschneiden mit der Formung der Feder, der Härtung und Entfettung bis zum schreibfertigen Zuschnitt der Feder lernten die Seminarteilnehmer im Unterricht kennen. Als besonderes Erlebnis durften sie dann den Umgang mit dem Gänsekiel beim Schreiben selbst ausprobieren, natürlich in der „Deutschen Kurrentschrift"! Hier einige Bilder von Schreibversuchen und Schreibergebnissen! Wir bitten um Nachsicht, besonders in der Verwendung des runden S, etwas, das in Vergessenheit geraten ist, allerspätestens nach der jüngsten Rechtschreibreform!.
Ansonsten sind die Ergebnisse durchaus beachtenswert, besonders wenn man bedenkt, dass die Seminarteilnehmer mit der Problematik noch keinerlei Erfahrung hatten. Eintauchen mit der Feder in die Tinte, abstreifen, fünf Wörter schreiben, Kleckse vermeiden, nichts verwischen - alles nicht so einfach, besonders für Linkshänder!
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