Unglücklich das Land, das Helden nötig hat
Geschrieben von Eva Deeg, Lisa Henning  am  Montag, 16. Februar 2009

... ein Theaterstück, dessen Botschaft stets aktuell bleibt

thuAm 21.Januar 2009 besuchte der LK Deutsch mit Frau Dr. Ortner-Buchberger (Frau Bär war erkrankt), die Studiobühne Bayreuth. Dieses freie Theater, welches heute sein Domizil in einem ehemaligen Offizierskasino hat, existiert seit 25 Jahren und ist aus der Kulturszene Oberfrankens nicht mehr wegzudenken. Das Besondere an diesem Theater ist, dass professionelle Theatermacher und Amateure zusammenarbeiten.

Der Kurs besuchte eine Aufführung von Bert Brechts „Leben des Galilei". Dieser geniale und  revolutionäre Physiker kann zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Richtigkeit des kopernikanischen Weltbildes beweisen, indem er herausfindet, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht, wie von der Kirche propagiert, umgekehrt. Dies hat enorme Folgen für Galilei: Er wird ein Opfer der Inquisition und widerruft öffentlich aus Angst vor der Folter. Den Rest seines Lebens verbringt er im „goldenen Käfig" der Kirche, dennoch vollendet er insgeheim seine verfemte Schrift.

buehne-3 Dieses Lehrstück über Macht und Unterdrückung wurde in Bayreuth mit vielen Verfremdungen im Brechtschen Sinne inszeniert: der Bühnenaufbau war multifunktional, offensichtliche Rollenwechsel - Galilei wird nacheinander von drei Schauspielern gespielt -  wurden vor den Augen der Zuschauer vollzogen. So wird verhindert, dass sich das Publikum mit den Personen auf der Bühne identifiziert. Stattdessen erkennt es die Aussage, bzw. Kritik an Gesellschaft und System und beginnt, sich damit auseinanderzusetzen.

buehne-4Letztendlich ist zu sagen, dass dies ein etwas anderer Theaterabend als üblich war , was aber nicht nur an der modernen Interpretation des „Sündenpfuhls Rom" lag. Entscheidend ist, dass die Thematik des Stückes - die Verantwortung der Wissenschaft im positiven wie im negativen Sinne  - im Zeitalter der Atombombe, der Gentechnologie und des Klonens von Lebewesen nichts von ihrer Aktualität  verloren hat.

Eva Deeg, Lisa Henning  (LK D 13)

(Quelle Bildmaterial: www.studiobuehne-bayreuth.de)