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Ein Poesiealbum -
Familienerbstück von der Urgroßmutter! Aber wer kann das noch lesen?
Was verrät es uns über
die Zeit, in der es von der Urgroßmutter angelegt wurde? Warum können wir die
Texte heute nicht mehr so ohne weiteres lesen? Solche Fragen bewegen zurzeit
die Teilnehmer am Wissenschaftspropädeutischen Seminar
Geschichte der Q11 mit dem Thema „Geschichte des Nahraums an
Alltagsquellen".
Hier geht es in erster
Linie darum, sich mit den Werkzeugen des Historikers vertraut zu machen, also
mit den Hilfswissenschaften wie der Chronologie, der Diplomatik, Sphragistik,
Genealogie, Historiographie, Archäologie, Archivkunde, und natürlich auch der
Paläographie, der Wissenschaft von den geschichtlichen Vorstufen unserer
Schrift, um Alltagsquellen aus dem Nahraum und dem persönlichen Umfeld der
Schüler richtig auswerten, interpretieren und verarbeiten zu können. Wenn man
Urkunden aus der Zeit des 14. bis 19. Jahrhunderts lesen will, muss man sich
mit der deutschen Kurrentschrift bzw. Kanzleischrift dieser Zeiträume vertraut
machen. Für das Seminar war dabei eine wesentliche Frage, mit welchen
Schreibwerkzeugen und mit welchen Materialen in früherer Zeit geschrieben
wurde. Die Seminarteilnehmerin Stefanie Roßner hat kurzerhand aus ihrem
ländlichen Umfeld einige „Flederwische" von geschlachteten Gänsen - wir
befinden uns kalendarisch im Vorfeld des Martinstags, wo die Martinsgänse auf
den Tisch kommen - besorgt, aus denen der Kursleiter (Dr. Höllerich) die so
wichtigen „Federkiele" gelöst hat, mit denen später geschrieben werden sollte.
Die weitere Prozedur von der Beseitigung der Bindehaut der Kiele, dem
Anschneiden mit der Formung der Feder, der Härtung und Entfettung bis zum
schreibfertigen Zuschnitt der Feder lernten die Seminarteilnehmer im Unterricht
kennen. Als besonderes Erlebnis durften sie dann den Umgang mit dem Gänsekiel
beim Schreiben selbst ausprobieren, natürlich in der „Deutschen
Kurrentschrift"!
Hier einige Bilder von
Schreibversuchen und Schreibergebnissen! Wir bitten um Nachsicht, besonders in
der Verwendung des runden S, etwas, das in Vergessenheit geraten ist,
allerspätestens nach der jüngsten Rechtschreibreform!.

Ansonsten sind die Ergebnisse durchaus beachtenswert,
besonders wenn man bedenkt, dass die Seminarteilnehmer mit der Problematik noch
keinerlei Erfahrung hatten. Eintauchen mit der Feder in die Tinte, abstreifen,
fünf Wörter schreiben, Kleckse vermeiden, nichts verwischen - alles nicht so
einfach, besonders für Linkshänder!

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