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Geschrieben von Werner Flierl / Stefan Ernst
am Montag, 24. August 2009
Am Mittwoch, dem 29. Juli 2009, wurde Schulleiter Dr. Axel Herrmann im Rahmen einer Feierstunde nach sechs Jahren am Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium offiziell in den Ruhestand verabschiedet.
Musikalisch umrahmt von Bigband und Blockflötenensemble wurde Dr. Herrmann von allen Teilen der Schulfamilie großer Dank und Anerkennung für sein engagiertes und nachhaltiges Wirken am Reinhart-Gymnasium entgegengebracht.
In den Ansprachen vom stellvertretenden Schulleiter Lothar Fritzsche, dem Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Oberfranken Dr. Edmund Neubauer, Stefan Fischer als Vertreter der Kirchen, Bürgermeister Bernd Scherdel für die Stadt Hof, der Elternbeiratsvorsitzenden Ina Hager-Dietel, Ronja Schlegel für die SMV und Claudia Uschakow sowie Steffen Fritsche für den Personalrat wurde noch einmal deutlich, welch energische und zielstrebige Führungskraft die Schule mit Dr. Axel Herrmann verlässt, der sich unermüdlich zum Wohl der Schüler und für die Bewahrung des humanistischen Bildungsgedankens am Gymnasium eingesetzt hat. Das Bild oben zeigt Dr. Axel Herrmann und Dr. Edmund Neubauer bei der Übergabe der Entlassungsurkunde.
Nachfolgend die Würdigung von Person und schulischer Tätigkeit Dr. Axel Herrmanns, entnommen dem Jahresbericht 2009, geschrieben von StD Werner Flierl:
Wer Dr. Axel Herrmann näher kennt, weiß, dass er Hofer mit
Leib und Seele ist. Nur hat dieser Umstand einen kleinen Makel: Obwohl aus
einer alteingesessenen Hofer Familie stammend, kam er in Jena zur Welt. Dieser
Geburtsfehler wurde jedoch durch einen baldigen Umzug in seine eigentliche
Heimatstadt ausgelöscht. Hier besuchte er nach seiner Volksschulzeit das
Humanistische Jean-Paul-Gymnasium, das er 1964 mit dem Abitur verließ. Beim
folgenden Wehrdienst zeigten sich schon seine Führungsqualitäten, brachte er es
doch bis zum Kompaniechef. Dass er auch noch zum Kriegstagebuchführer ernannt
wurde, ließ schon den künftigen Historienschreiber erahnen.
Es folgte an der Universität Würzburg das Studium der Fächer
Geschichte, Deutsch und Geographie, wobei er sich besonders zur Geschichte
hingezogen fühlte. Nach einem längeren Forschungsaufenthalt in Wien promovierte
er zum Dr. phil. mit einer Dissertation über den Deutschen Orden. Nachdem er
als hilfswissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar der Universität
Würzburg gearbeitet hatte, legte er das erste Staatsexamen ab und entschied
sich so für das Höhere Lehramt an Gymnasien, ohne jemals die historische
Forschung aufzugeben. Sein Referendariat leistete er in Nürnberg, Aschaffenburg
und Treuchtlingen ab, bis er 1975 seiner alten Schule, dem Jean-Paul-Gymnasium
in Hof, zugewiesen wurde.
Aufgrund seiner hohen fachlichen Kompetenz und seiner
pädagogischen Fähigkeiten stieg er bereits 1981 zum Mitarbeiter des
Ministerialbeauftragten für Gymnasien in Oberfranken auf. Zehn Jahre später
wurde er zum Oberstudiendirektor des Walter-Gropius-Gymnasiums in Selb berufen,
wo er maßgeblich an der Erweiterung und Generalsanierung des Gebäudes beteiligt
war, den Versuch „Europäisches Gymnasium" durchführte und der Schule zu ihrem
heutigen Namen verhalf.
Als 2003 die Schulleiterstelle am
Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium frei wurde, kehrte Dr. Herrmann in seine
Heimatstadt zurück, da er so nicht mehr zwischen Hof und Selb pendeln musste.
Auch dieser Schule drückte er bald seinen Stempel auf. So wurde auf seine Initiative
eine „Einführungsklasse" für das östliche Oberfranken eingerichtet, die
Nicht-Gymnasiasten von der 10. Jahrgangsstufe an zum Abitur hinleiten soll.
Außerdem ist es seit letztem Jahr möglich, Spanisch als spätbeginnende
Fremdsprache zu lernen.
Man sollte meinen, dass ein engagierter Lehrer und
Oberstudiendirektor voll von seinen Aufgaben und Pflichten in Beschlag genommen
wird. Nicht so Dr. Herrmann: Sein Tag scheint aus mehr Stunden zu bestehen als
der der übrigen Menschen. Anders ist die Vielfalt seiner Tätigkeiten nicht zu
erklären.
Im schulischen Bereich waren das zum Beispiel: die
langjährige Betreuung des Schülerzeitungswettbewerb in Oberfranken, der Einsatz
als Organisator und Prüfer bei der Begabtenprüfung des Ministerialbeauftragten,
die Mitwirkung an zahlreichen Lehrerbildungsveranstaltungen in Sachsen und
Thüringen während der Wendezeit, die Leitung des Ferienseminars für begabte
Gymnasiasten in Pegnitz. Daneben erfüllte er von 1982 - 1987 einen Lehrauftrag
für Didaktik der Geschichte an der Universität Bamberg und von 1996 - 1998 an
der Universität Bayreuth.
Auch die Erwachsenenbildung war Dr. Herrmann ein Anliegen:
Eine umfangreiche Vortragstätigkeit führte ihn weit über die Grenzen unseres
Raumes hinaus, etwa als Honorarreferent des Gesamtdeutschen Instituts in Bonn.
Bis heute ist er Gutachter und Autor der Bundeszentrale für politische Bildung
in Bonn, seit 2009 Mitglied in einer Auswahlkommission der Studienstiftung des
Deutschen Volkes. Da ihm die Erforschung der oberfränkischen Regionalgeschichte
besonders am Herzen liegt, wurde er schon 1979 zum Ersten Vorsitzenden des
Nordoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde e.V. Hof -
kurz des „Langnamenvereins" - gewählt, an dessen zahlreichen Veröffentlichungen
er wesentlich mitbeteiligt war. Auf seine Anregung ging auch ein
Schülerwettbewerb für Themen aus der heimatlichen Landeskunde zurück, mit dem
ausgezeichnete Facharbeiten mit einem ansehnlichen Geldbetrag ausgezeichnet
werden. Da die Leitung des Vereins und die Organisation von Vorträgen allzu
zeitraubend wurden, hat sich Dr. Herrmann inzwischen von dem Amt als Erster
Vorsitzender entbinden lassen, um sich verstärkt neuen Forschungsbereichen
widmen zu können. So vermochte er etwa voriges Jahr der Frage nachzugehen, ob
sich anhand von lokalen Quellen Klimaveränderungen in unserem Raum während der
letzten Jahrhunderte nachweisen lassen.
Die Zahl seiner Veröffentlichungen ist erstaunlich. Neben
vielen kleineren Aufsätzen und Rezensionen umfasst seine Bibliographie über 20
größere Werke. Innerhalb der verschiedenen Arbeiten bilden der Deutsche Orden
und die oberfränkische Regionalgeschichte die Schwerpunkte. Es finden sich
darunter Biographien von Hochmeistern des Deutschen Ordens, dem Hofer
Oberbürgermeister Hans Högn oder die Neubearbeitung der „Kleine(n) Geschichte
der Stadt Hof", ein „Gang durch die Hofer Theatergeschichte" und ein Beitrag zu
Schule und Bildung in Oberfranken. Seine Vielseitigkeit zeigt sich auch in
Veröffentlichungen zur Entwicklung der Deutschen Frage oder zum Thema
„Menschenrechte", ein Heft der „Informationen zur politischen Bildung", das in
verschiedenen, bis in die jüngste Zeit
immer wieder aktualisierten
Neuauflagen zu einem Standardwerk
der Reihe wurde.
Seit 1979 war Dr. Herrmann als Schulbuchautor beim Oldenbourg - Verlag für Geschichtswerke
und Lehrerhandbücher der 7. - 11. Jahrgangsstufe tätig. Ebenso muss sein Wirken
als Mitherausgeber bei den „Miscellanea curiensia" und bei dem „Hausbuch des
Apothekers Michael Walburger 1652 - 1667" erwähnt werden.
Als überzeugter Humanist ist er tief mit der Welt Italiens
vertraut: Er liebt die Lebensweise, die Sprache, die reiche,
vergangenheitsgesättigte Kultur. Gleichzeitig drängt es ihn, seine Begeisterung
und sein Wissen auf andere Menschen zu übertragen, und so übernahm er während
vieler Ferien die Leitung von Studienreisen im Auftrag von verschiedenen
Reisegesellschaften. Wer jemals an einer solchen Fahrt - etwa auf den Spuren
der Staufer in Apulien oder Sizilien - teilgenommen hat, wird das Erlebnis nie
vergessen.
Trotz dieser fast beängstigenden Arbeitsintensität ist Dr.
Herrmann kein trockener Stubengelehrter, sondern ein verständnis- und
humorvoller Mensch, der für die Sorgen von Schülern, Eltern und Lehrern immer
ein offenes Ohr hatte. Obwohl er nicht dazu verpflichtet war, bestand er immer
darauf, noch selbst zu unterrichten. Wenn er Geschichtsleistungskurse anbot,
fanden diese immer regen Zulauf, da die Schüler sicher sein konnten,
tiefgründige und interessante Stunden zu erleben. Wohltuend war es auch, wie er
unverblümt seine Skepsis gegen den oft undurchdachten und blindwütigen
Reformeifer der Bildungspolitiker aussprach.
Seinen Ausgleich findet er im Langlauf, dem er sich in
seiner kargen Freizeit verschrieben hat und mit dem er sich körperlich fit
erhält. So fuhr er voriges Jahr mit einigen jungen Kollegen nach
Oberschleißheim, um am Bayerischen Lehrermarathon teilzunehmen.
Dass die Gesellschaft ein so außergewöhnlich engagiertes
Wirken würdigt, ist nur recht und billig. Ich zähle die öffentlichen Ehrungen,
die Dr. Herrmann erhalten hat, zeitlich geordnet auf:
1986 Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken
1989 Erster Träger der
Johann-Christian-Reinhart-Plakette der Stadt Hof
1996 Ehrennadel für die Verdienste um den
Schulsport in Bayern
1997 Ehrenzeichen des bayrischen
Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt
2002 Goldene Bürgermedaille der Stadt Hof
2004 Bundesverdienstkreuz
2009 Ehrennadel in Silber des Bayerischen
Landessportverbandes für hervorragende langjährige Verdienste um den Sport
Für den Nachfolger im Amt wird es wohl schwer werden, diese
hochgesetzten Maßstäbe zu erreichen, geschweige denn zu übertreffen.
Lieber Axel, im Namen des Kollegiums wünsche ich Dir als
alter Schulkamerad und künftiger Mitpensionist, dass Du nach der Befreiung von
Sachzwängen und Verwaltungskram Deinen neuen Lebensabschnitt bei voller
Gesundheit genießen und Deine zahlreichen Pläne verwirklichen kannst.
Aufkommende Langeweile braucht man bei Dir ja nicht zu befürchten, steht doch
schon im Herbst eine Reiseleitung durch Apulien an.