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Geschrieben von Ursula Bär
am Montag, 6. April 2009
... vom Fernsehen in die Schule geholt
Auch
ohne die aus Rehau stammende Nora Gomringer, die Tag für Tag auf den Showbühnen
ihre Texte vorträgt, wurde im Januar 2009 der Poetry Slam in den Deutsch-
Leistungskurs der K13 des Reinhart-Gymnasiums
geholt. Eingebettet in die Facharbeit einer Kursteilnehmerin, ...
sollte
eine Schulstunde mit live vorgetragenen Gedichten gefüllt werden um die
Zuschauerschaft, die gleich zur Jury umfunktioniert wurde, noch ein Mal auf
einem ganz anderen Weg für die Kunst der Poesie beigeistern.
Zu Beginn begrüßte die Moderatorin und Organisatorin des Wettstreites (Lisa
Henning, K13) die Zuschauer und Teilnehmer des "Poetry Slam" (Corinna Schwarz,
Maria Erl und Franziska Aurnhammer, K13)
und gab einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entstehung und
die Regeln des Wettkampfes. Denn dieser Wettstreit wird ausschließlich mit
Worten und ohne jegliche Requisiten ausgetragen. Anders als im Original,
welches an Samstagabenden öfter auch im Fernsehen verfolgt werden kann, mussten
die Slamkandidatinnen das Zeitlimit von sieben Minuten nicht unbedingt
einhalten; doch wie auch bei den großen Stars, wurde die Gewinnerin unter den
drei ausdrucksstarken Mädels durch Publikumsentscheidung, das heißt per Rosen,
die nach vorne geworfen werden, ermittelt.
Die Themen der Gedichte waren aus sehr unterschiedlichen Lebensbereichen
gegriffen und wurden durch die drei Mädels auch ganz verschieden dargestellt
und interpretiert. Von leisen Klängen bis zu lauter Ironie, die zum Schmunzeln
anregte, nahmen die Poetry- Kandidatinnen die Zuschauer jeweils mit in ihre
Szenen und ließen deutsche Lyrik somit lebendig werden.
Diese Art von Deutschunterricht sollte wohl viel öfter in die Klassenzimmer
gebracht werden.
Lebendige Poesie - lebendig vorgetragen und mitreißend!
Und:
Um noch einen Einblick in die Gedichte
selbst zu geben, folgen nun Ausschnitte aus dem Gedicht
"Ernsthaft", welches von Corinna Schwarz vorgetragen wurde,
ursprünglich aber von Lydia Daher stammt, die beim Substanz Poetry Slam 2005
damit den dritten Platz erzielte.
Der zweite Textausschnitt ist aus "Unter der Morelle" von Julius
Fischer herausgegriffen, der beim livelyriX Slam 2005 das Finale erreichte.
Dies wurde der K13 von Maria Erl vorgestellt.
"Ernsthaft"
ich
bin nicht locker, wie sollt' ich es sein?
ich bin schließlich in ernst-haft, so anstrengend allein
mein heim: eine haut aus beton die mir nicht passt
auf meinem kopf ein hut aus ziegelsteinballast
ich bin nicht locker (...)
ich
habe mich entschieden, ich will kein semikolon sein
sondern laut ausrufen und zeichen setzen (...)
ich
will fliegen und knallhart landen
von mir aus hier auf diesem punkt.
"Unter der Morelle"
Unter
der Morelle, wo sich Hase und Wolf noch beseelt die Hände schütteln,
wo die Larven sich im Steinobst Höhlen bauen,
und die Nachtigall brüllt über die Ebene - tsssch-ba-babelubau,
stehe ich, und finde es gut. (...)
Du
nahst nach wie vor, und alles wass ich tu, alles was ich kann:
Ich esse eine Morelle. Das sollte doch Zeichen genug sein.
Heroisch esse ich eine Morelle, ich hasse Morellen, das musst du doch wissen.
Du weißt nichts.
Drehst dich wieder um. Und doch esse ich die verdammte Morelle nur für dich,
andere tragen Tische.
Ich esse die Morelle. Nachtschatten. Sonne weg. Du.
Die Nachtigall sagt: tsssch-ba-babelubau.
Zumindest sie hat mich verstanden.