
Zum 150. Todestag des Namenspatrons unserer Schule
Wohl der weithin berühmteste Sohn der Stadt Hof ist der Maler Johann Christian Reinhart — ein Klassiker des Klassizismus. Mit Friedrich Schiller pflegte er eine langjährige Freundschaft. Der war es auch, der Reinhart auf die Idee brachte, auf die Reise nach Italien zu gehen — ein Muß für jeden gebildeten Menschen der damaligen Zeit.
In Hof wurde ein Gymnasium nach ihm benannt. An seinem Geburtshaus am Maxplatz 2a hängt eine Gedenktafel ihm zu Ehren, eine Gedenkmünze wurde herausgegeben. Das Museum Bayerisches Vogtland in Hof besitzt zahlreiche seiner Werke: Johann Christian Reinhart ist wohl der bekannteste Hofer Künstler bis heute. Ein Klassiker des Klassizismus.
Er wurde am 24. Januar 1761 in Hof als Sohn des Diakons bei St. Michael und Lorenzpredigers Peter Johann Reinhart und der Magdalena Wilhelmina Friederike Reinhart geboren. Sein Vater stammte aus einer alten Handwerksfamilie. Deren Schieferdeckerbetrieb wurde durch einen anderen Zweig der Familie weitergeführt, so daß Peter Johann Reinhart Theologie studieren konnte. Die Mutter gehörte der Familie des Justizrates und Konsulenten der Voigtländischen Ritterschaft Johann Carl Sigmund Müller an.
Bereits am 18. Februar 1763, wenige Monate nach der Geburt des zweiten Sohnes Johann Amandus Friedrich, verstarb der Vater. Die beiden minderjährigen Knaben wurden nun von der Mutter allein erzogen. Wie Reinhart später einmal meinte, seien sie „wilde Buben“ gewesen. Beide besuchten das Gymnasium und sollten wie der Vater Theologie studieren. Der Jüngere wurde dann tatsächlich Pfarrer und war in Großzöbern, Weißenstadt, Regnitzlosau und Bayreuth tätig. Eine seiner Amtshandlungen dort war es 1825, Jean Paul Friedrich Richter die Grabrede zu halten.
Johann Christian Reinhart besuchte nach der Volksschule das Hofer Gymnasium vom 8. September 1768 bis zum 29. April 1778. Er wurde von Lehrern wie Kaiser, Longolius, Müller, Rennebaum und Johann Kapp unterrichtet. Der letztgenannte, späterer Konsistorialrath in Bayreuth, soll auf das zeichnerische Talent aufmerksam geworden sein.
Er bemerkte das Interesse seines Schülers an einigen Kupferstichen, die er im Unterricht gebrauchte, und förderte die Neigung und das Talent des jungen Reinhart. Dieser hielt dann seine Abschiedsrede im Gymnasium über den Nutzen des Malens für die Religion „De utilitate artis pingendi in rebus sacris rite institutae“, womit er die Hauptthemen seines späteren Wirkens vorgab.
„Brodstudium“
Zuerst begann er an der Universität Leipzig ein Theologiestudium. Der Grund war vor allem, ein „Brodstudium“ zu haben, da das Kunststudium, das viel Privatunterricht voraussetzte, teuer und das Leben eines Künstlers unsicher war.
Bald widmete er sich jedoch mehr und mehr der Kunst. Vor allem studierte er bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der Akademie, der bereits Schüler wie Johann Wolfgang von Goethe unterrichtet hatte. Selbst Reinharts Mutter, die das Theologiestudium wünschte, verhinderte den Unterricht nicht. Im Gegenteil, sie schrieb sogar 1779 an Oeser: „Nun findet er einige Jahre eine Zuneigung zu der Mahlerey, welcher ich aber einiger Maße wiederstand, in dem ich es seinen jungen Jahren ... zuschrieb, doch soll er mit Gewalt zu etwas anderem von mir nicht gezwungen werden.“ Oeser gab Reinhart auch unentgeltlichen Unterricht.
Zuträglich war dem Wechsel des Studienfachs, daß Reinhart mit Christoph Nathe zusammen wohnte. Dieser hatte den Sprung von der Theologie zur Kunst bereits vor Jahren gewagt. Reinhart begann, wie an der Akademie üblich, mit systematischen Übungen, dem Zeichnen von Gipsfiguren und später nach natürlichen Objekten, um die Anatomie von Menschen und Tieren zu üben. Wie seine späteren Werke zeigen, erwarb er sich dabei eine hohe handwerklich-technische Kunstfertigkeit.
Zu Anfang des Jahres 1783 siedelte er nach Dresden über, um sich weiterzubilden. Unter anderem nahm er bei Christian Klengel Privatunterricht. Er konzentrierte sich jetzt mehr und mehr auf die Landschaftsmalerei, die ihm besser lag und den weitaus überwiegenden Teil seines Werkes bilden sollte.
Im März 1784 verstarb seine Mutter, und er hielt sich deshalb kurz in Hof auf. Später unternahm er von Dresden aus Wanderungen nach Thüringen, ins Vogtland und nach Böhmen. In Karlsbad lernte er Elisa von Recke kennen. Diese umgab sich stets mit einem so interessanten Kreis an bedeutenden Künstlern und Geisteswissenschaftlern, daß Reinhart, davon angezogen, seine Reiseroute änderte und sich ihrer Gesellschaft anschloß.
Freundschaft
Ende des Jahres kehrte er nach Leipzig zurück, wo er in einem bunten Kreis von Künstlern verkehrte. Im Frühjahr 1785 lernte er Friedrich Schiller kennen, mit dem ihn eine bis zu dessen Tod dauernde Freundschaft verband.
Auf dem Weg zu seinem Bruder nach Erlangen, wo dieser studierte, kam er Weihnachten 1786 nach Meiningen, einem der Horte des Klassizismus neben Jena und Weimar. Herzog Georg von Meiningen hatte Reinhart bereits früher schriftlich gebeten, in seine Dienste zu treten, aber eine Absage erhalten. Nun lernten sich die beiden persönlich kennen, woraufhin Reinhart nahezu drei Jahre in Meiningen blieb.
Unvergessen war jedoch der Plan, nach Italien zu reisen, ein Muß für jeden Gebildeten der damaligen Zeit. Sein Freund Schiller soll ihn auf diese Idee gebracht haben. Mit Unterstützung des Erbprinzen von Coburg-Gotha wurde sein Wunsch 1788 durch ein Stipendium des Markgrafen von Ansbach-Bayreuth erfüllt.
Seine Abreise verzögerte sich jedoch noch um etwa ein Jahr. Ende Oktober 1789 machte er sich auf den Weg. In seinem Tagebuch schrieb er: „Bald mein liebes deutsches Vaterland, werd ich dir nun Lebewohl sagen, vielleicht dich nimmer wiederzusehn - „Lebewohl, deutsches Vaterland“. Ob er damals bereits geahnt hat, daß er sein Vaterland niemals wiedersehen würde ?
Durch Hof
Auf dem Weg in Richtung Süden kam er durch Hof. Hier bemerkte er: „Abends kam ich nach Hof. Wie ich zuerst die Türme erblickte, schlug mir das Herz hoch“. In Ansbach, wohin ihn sein Bruder brachte, erwarteten ihn die erste Zahlung des Markgrafen und die Zusicherung für seine Jahrespension. Von Bozen aus schloß er sich einer Kunstreitergruppe an, mit der er am 23. Dezember 1789 Rom erreichte. Ausflüge führten Reinhart fast durch ganz Italien. Rom war damals Treffpunkt vieler Künstler. Reinhart pflegte Bekanntschaften mit Jakob Asmus Carstens, Carl Ludwig Fernow, Berthel Thorwaldsen und Josef Anton Koch. Mit den Jahren wurde er zum Nestor der dortigen Künstlerkolonie.
1791/1792 verlor Reinhart seine Jahrespension, da das Markgrafentum an Preußen kam. Erst 1825 bekam er nach mehreren Anträgen eine Jahrespension vom Königreich Bayern verliehen. Hilfreich war ihm hier seine Bekanntschaft mit dem bayerischen König Ludwig I., einem Liebhaber des deutsch-römischen Klassizismus, der immer wieder nach Rom reiste. Am 1. November 1839 wurde er schließlich zum königlich bayerischen Hofmaler ernannt, nachdem er bereits von verschiedenen Kunstakademien in Deutschland und Italien geehrt worden war.
Familie
Im Jahr 1801 heiratete er die Italienerin Anna Caffo, Tochter eines römischen Schachtelmalers. Offenbar hatte er sich ohne staatliche Unterstützung in der Zwischenzeit so etabliert, daß er eine Familie ernähren konnte. Gemälde, Zeichnungen und Radierungen, die er in größeren Stückzahlen drucken ließ, brachten ihm künstlerische und wirtschaftliche Anerkennung. Das Ehepaar bekam drei Kinder, 1804 wurde Maria Theresa geboren, 1806 Elisa, die im Kindersalter verstarb, und 1811 der Sohn Erminio.
Johann Christian Reinhart verstarb am 9. Juni 1847. Bis zu seinem Tod war er
dem Sport und der Natur sehr zugetan. Man bezeichnete ihn als „wahren Naturburschen“.
Er wurde auf dem Friedhof der Protestanten an der Cestius-Pyramide in Rom beigesetzt. Im Jahr 1963 ehrte die Stadt Rom diesen deutsch-römischen
Künstler des Klassizismus mit einer Gedenktafel an seinem Sterbehaus.
Beate Puchta
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