
1.) Privatschule
1838 - 1869
2.) Städtische
Schule 1869 - 1973
3.) Staatliche
Schule seit 1973
4.) Chronik
der Schulleiter
Privatschule 1838 - 1869
1837
Antrag des kgl. Studiendirektors Dr. Lechner an den Hofer Stadtmagistrat mit
der Bitte um Gründung einer Privatunterrichtsanstalt für höhere
weibliche Bildung.
In einem gesonderten Dokument können Sie die überaus
spannende Gründungsphase einschließlich dem Wortlaut zweier Originaldokumente
nachlesen.
1838
Extradokument: Beginn des Unterrichtsbetriebs
mit 37 Schülerinnen
1848
Die revolutionäre Stimmung dieses geschichtlichen Epochenjahres machte
auch vor Hof und der "Höheren Töchterschule" nicht halt. Liberale und
sozialistisch getönte Angriffe gegen die Töchterschule in der Presse
berufen sich auf die 150 Gulden aus der Hospitalstiftung zur Finanzierung der
Schule. Dieses Geld würde dem Armenfonds der Stiftung entzogen und
entspräche nicht dem Willen des Stifters, da es für die "höheren
Stände" verwendet werde. Die Existenz der Schule war in Frage gestellt!
Stadtmagistrat und Schulleitung konnten jedoch die Angriffe entkräften, so
daß sie im Laufe der Zeit auch wieder in Vergessenheit gerieten.

Städtische Schule 1869 - 1973
1869 Städtische höhere Töchterschule
Das bisherige Privatinstitut wird als eine "gemeindliche Unterrichtsanstalt"
vom Stadtmagistrat übernommen und unter dem Namen "Städtische
höhere Töchterschule" eröffnet. Oberaufsicht über die
Schule hat von nun an die "Königliche Kreisregierung von Oberfranken".
Für die Übernahme durch die Stadt und die damit verbundene
Umgestaltung der Schule nach der "allerhöchsten Verordnung vom 28. Juni
1962, die Errichtung und Leitung von Erziehungs- und Unterrichtsanstalten
betreffend", sprachen viele gewichtige Gründe. Seit 1869 existieren
fortlaufend numerierte gedruckte Jahresberichte der Schule, die erst im Jahr
1926/27 in ihrer Zählung auf das Gründungsjahr 1837/38 umgestellt
wurden. Äußerer Anlaß für die städtische
Übernahme war wohl das Beispiel der 1867 von der Stadt Bayreuth
gegründeten "Höheren Mädchenschule". Auch mögen sich die
Grundvorstellungen von weiblicher Bildung geändert haben, da in diesen
Jahren die ersten Frauenvereine entstanden und die "soziale Frage der Frau"
kritischer beleuchtet wurde. Schließlich muß aber auch die alte
Schule den Anforderungen der Zeit nicht mehr genügt haben, wenn man am 12.
Oktober 1867 im Hofer Anzeiger lesen konnte, daß die
überhandnehmende Schwäche des weiblichen Geschlechts vornehmlich
einer falschen Erziehung zuzuschreiben sei: "Statt auf eine allseitige
Stärkung des Nervenorganismus Bedacht zu nehmen, werden noch jetzt in den
meisten unserer Mädchenschulen die Zöglinge von 8 Uhr morgens bis 6
Uhr abends zum Sitzen verurteilt. Vormittags beschäftigt man sie durch
Handarbeiten und Konversation, während man Unterrichtsgegenständen
von größerer Bedeutung gewöhnlich die späteren
Abendstunden einräumt, weil der Lehrer früher nicht Zeit findet und
man eigene Lehrer nicht besitzt. Die Schülerinnen sind dann abgespannt und
zerstreut, während sie in den Morgenstunden empfänglich und frisch
gewesen wären... Auch der Elementarunterricht wird in den meisten
Mädcheninstituten noch allzuwenig betont; deren manches dürfte
aufzuweisen sein, das seine Zöglinge ohne eine gründliche Kenntnis
der eigenen Muttersprache aufnimmt und ebenso wieder entläßt ..."
Auch der erste Jahresbericht der "Städtischen höheren
Töchterschule in Hof, im Schuljahre 1869/70" gibt auf den drei ersten
Seiten ein eindrucksvolles Bild von der Reformbedürftigkeit der alten
Privatanstalt und den gestiegenen Bildungsansprüchen der erneuerten
Schule, die nun nicht mehr die Aufgaben einer Grundschule miterledigt.
1897/98 Die Wißmathsche Reform
Waren die Veränderungen der "Höheren Töchterschule" bei der
Übernahme durch die Stadt weitgehend inhaltlicher Art, so war
Stadtschulrat Wilhelm Wißmath hauptsächlich um eine organisatorische
Reform bemüht. Seit Dr. Lechners Zeit gab es Klassen, die aus
Schülerinnen verschiedener Jahrgänge zusammengesetzt waren, was um
die Jahrhundertwende nicht mehr zeitgemäß war. Für den Eintritt
in die Höhere Töchterschule wurde nun der vierjährige Besuch der
Volksschule vorausgesetzt, an den sich sechs Jahrgangsklassen anschlossen. An
neuen Fächern wurden Buchführung und Stenografie eingeführt. Die
Wißmathschen Neuerungen konnten bis zur staatlichen Schulordnung von 1911
bleiben und danach größtenteils unverändert übernommen
werden.
1900/01 "Städtische höhere Schule für Mädchen"
Die Errichtung des Schulgebäudes am Longoliusplatz beseitigt die
Schulraummisere in den Mietsräumen des Hauses Theaterstraße 6.
Ständig wachsende Schülerzahlen und Wißmaths Initiative
führten zur Verwirklichung dieses 100000-Mark-Projekts. 1901 begann der
Unterricht in einem gutausgestatteten Schulhaus mit 146 Schülerinnen! Die
Bezeichnung der Schule lautet "Städtische höhere Schule für
Mädchen".
1911 "Städtische höhere Mädchenschule"
Anpassung der Schule an die für ganz Bayern gültige Schulordnung
vom 8. April 1911 durch Direktor Adolf Korn. 1912 wurde sie als
"Städtische höhere Mädchenschule" im Sinne der neuen
Schulordnung staatlich anerkannt.
1919/20
Einführung einer Handelsabteilung im Anschluß an die 3. Klasse
mit sechs Wochenstunden in Handelsfächern (Buchhaltung, Gesetzeskunde,
Warenkunde, Schriftverkehr).
1924 "Mädchenlyzeum" und "Höhere Mädchenschule neuer
Ordnung"
Durch die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau in der Weimarer
Verfassung von 1919 wurden die Mängel der Reform von 1911 beseitigt und
die höheren Mädchenschulen den höheren Knabenschulen
gleichgestellt. Seit 1924 führt die Schule zwei Züge zu je sechs
Jahrgangsstufen: Das Mädchenlyzeum als höhere Lehranstalt, an der nur
Lehrkräfte mit der Befähigung für das höhere Lehramt
unterrichten, unterstand direkt dem Kultusministerium. Diese Schule entspricht
in ihrem Bildungsauftrag etwa dem heutigen neusprachlichen Gymnasium,
während der andere Zug, die "Höhere Mädchenschule neuer Ordnung"
eher mit dem Ausbildungsziel unserer heutigen Realschulen verglichen werden
kann und den Bedürfnissen des täglichen Lebens Rechnung trug.
1930
Einführung der einklassigen Frauenschule (zunächst versuchsweise)
für Schülerinnen, die das Abschlußzeugnis der 6. Klasse
(entspricht 10. Jahrgangsstufe) hatten. Der Zweck der Frauenschule bestand
darin, die Schülerinnen in die Aufgaben als Hausfrau und Mutter
einzuführen. Für viele Mädchen bot sie die Möglichkeit,
später ein Wirtschaftslehrerinnenseminar oder eine soziale Frauenschule zu
besuchen.
1938 "Mädchenoberschule"
Anstelle des Lyzeums und der Frauenschule tritt die achtklassige Vollanstalt
mit der Bezeichnung "Mädchenoberschule", welche nun auch mit Abitur
abschließt.
1940
Die erste Reifeprüfung wurde 1940 abgenommen.
1946 "Städtische Oberrealschule für Mädchen"
Nachdem die Schule von März 1945 bis Januar 1946 geschlossen war,
konnte sie nun als "Städtische Oberrealschule für Mädchen"
wiedereröffnet werden, und zwar mit einem sprachlichen und einem
mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig.
1949
Angliederung einer dreijährigen Mädchenmittelschule mit dem
Abschluß der "Mittleren Reife" (existiert bis 1956). Im gleichen Jahr
wurde wegen Raumnot der Holzflachbau errichtet.
1951
Einführung der 9. Klasse (entspricht heute der 13. Jahrgangsstufe),
Übernahme der Sprachenfolge des Realgymnasiums (Englisch - Latein -
Französisch).
1952
Einführung des Mädchenrealgymnasiums neben der Oberrealschule und
der angeschlossenen Mittelschule.
1956
Städtisches Mädchenrealgymnasium mit Oberschule. Das Realgymnasium
entspricht etwa dem neusprachlichen Gymnasium, die Oberrealschule dem
math.-nat. Gymnasium mit wirtschaftswissenschaftlichem Zweig.

Staatliche Schule seit 1973
1973 "Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium"
Die Schule erhält ihren heutigen Namen:
"Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium, neusprachliches und
mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium". Übernahme durch den
Freistaat Bayern.
1974
Einführung der Kollegstufe.
1975
Einzug in das neue Schulgebäude in der Max-Reger-Str. 71 am
Rosenbühl unterhalb des Bismarckturmes. Einführung der
Koedukation.
Unser Gang durch die Geschichte endet in der Gegenwart Während der
langen Metamorphose von der Mädchenschule zum koedukativen Gymnasium
konnten nur die wichtigsten Umgestaltungen auf einem mühevollen und
verschlungenen Weg aufgezeigt werden - die Leistung vieler engagierter
Pädagogen, die der Schülerinnen und Schüler, die mancher
Gönner und Freunde, mußte vor der allgemeinen Entwicklung
zurücktreten. Wir wollen auf eine Zukunft hoffen, die unserer Schule noch
einen langen Weg beschert, der wie bisher von Achtung und Wertschätzung in
der Öffentlichkeit, verständnisvoller Wirksamkeit ihrer Lehrer und
vorausschauendem Planen ihrer Leiter gezeichnet ist.
Dr. Reinhard Höllerich

Die Schulleiter
1837 - 1850 Kgl. Studiendirektor
Dr. Stephan Lechner
1850 - 1859 Pfarrer Johann Scheuerlein
1859 - 1867 Pfarrer Gottfried
Macher
1868 - 1869 Pfarrer Heinrich
Tinsch
1869 - 1875 Dr. Gottfried Friedlein
1875 - 1879 Pfarrer Georg Fr.
Th. Mahr
1879 - 1895 Dekan Ludwig Held
1895 - 1896 Pfarrer Albert Buchholz
1897 - 1911 Stadtschulrat Wilhelm
Wißmath
1911 - 1925 Direktor Adolf Korn
1925 - 1938 Direktor Dr. Martin
Pöhlmann
1939 - 1945 Oberstudiendirektor
Hans Haberstroh
1946 - 1966 Oberstudiendirektor
Dr. Friedrich Heinrich
1966 - 1972 Oberstudiendirektor
Dr. Dr. Walter Rollmann
1972 - 1973 Studiendirektorin
Frieda Wagner kommissarisch
1973 - 1995 Oberstudiendirektor
Dr. Heinz Zenk
1995 - 2003 Oberstudiendirektor
Wolfgang Witt
seit 1.8.2003 Oberstudiendirektor Dr. Axel
Herrmann
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