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Schultheater 2008 Drucken
Geschrieben von Hofer Anzeiger (Text), Stefan Ernst (Pics)  am  Mittwoch, 12. März 2008

Feiern mit Freund und Feind

theater Der Grundkurs Dramatisches Gestalten des „Reinhart"-Gymnasiums spielte in doppelter Aufführung die Antikriegsparabel „Picknick im Felde" - und sammelt Handabdrücke als Zeichen gegen Krieg.

Rot-weißes Absperrband grenzt großzügig den Eingangsbereich des Reinhart-Gymnasiums ab. „Vorsicht Minenfeld" warnt ein handgeschriebenes Schild - und doch trauen sich einige Besucher, die Absperrung zu überwinden, und treten in die Aula ein, in der am Donnerstagabend Fernando Arrabals „Picknick im Felde" Premiere feiert.

Ein Soldat mit Helm und geschultertem Gewehr durchquert die Aula, seltsam beklemmte Atmosphäre herrscht vor. Direkt hinter dem Eingang fällt der Blick auf die Schautafeln, die das Schicksal von Kindersoldaten beleuchten - eine Ausstellung, die Studienrätin Kerstin Krämer vom Roten Kreuz ausgeliehen hat. Schreckliche Bilder von ausgehungerten Kindern mit Waffen in der Hand sind zu sehen, aber auch rote Handabdrücke und Antikriegsgedichte, zusammengestellt von einer neunten Klasse im Rahmen der Beschäftigung mit dem ernsten Thema.


Der Grundkurs Dramatisches Gestalten unter Kerstin Krämers Leitung findet einen anderen Weg, seinen Protest gegen den Krieg zu äußern: das Absurde Theater. Das Wort „absurd" nehmen die Schüler dabei im direkten Sinn auf, denn wie könnte man es sonst nennen, wenn Eltern ihrem Sohn, dem Soldaten Zapo (Franziska Sandig), einen Sonntagsbesuch mit Picknick mitten auf dem Schlachtfeld abstatten? Gut gelaunt und schwer bepackt mit Decke, Schirm und Picknickkorb treffen sie im Graben ihres Sohnes ein. Die übereifrige und extrem enthusiastische Mutter (Daniela Knörnschild) mit einem Hang zur Naivität (sie wäre gern Hauptmann beim Feind, denn die hübschen blauen Uniformen stünden ihr gut) erkundigt sich beim Sohn, ob er sich immer gut wasche. Der pragmatische und ebenfalls tatendurstige Vater (Emre Aksu), der selbst auf Erfahrungen aus dem Krieg zurückblicken kann, übt mit dem Sohn die Wurftechnik von Handgranaten - mit Granatsplittern als Übungsobjekt. Mitten im gemütlichen Picknick, akustisch umrahmt vom Donnern und Poltern schwerer Panzerketten, naht der Feind. Zepo (Johanna Nitsche) wirkt genauso ängstlich und verunsichert wie der Gegner Zapo, und die Absurdität wird auf die Spitze getrieben, als sich Zapo und seine Eltern immer wieder beim Feind Zepo dafür entschuldigen, dass sie ihn fesseln müssen und die Mutter den Sohn ermahnt, ihm bloß nicht dabei weh zu tun. Nach einem gestellten Touristen- Siegesfoto mit dem Feind und einem Bombenangriff, den die Eltern, begeistert von dem Abenteuer, unter ihrem Picknick- Schirm abwarten, stellt sich heraus, dass sowohl Zapo als auch Zepo gar nicht wissen, warum sie kämpfen. Bevor sie eingezogen wurden, haben sich beide nicht für den Krieg interessiert. Schnell greift man, tanzend und feiernd, zu Carl Sandbergs berühmtem Zitat: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin". Da erledigt ein Bombenangriff das gesamte Trüppchen - und die Sanitäter (Meike Hübner und Wladislaw Mill) finden die Leichen der vormals Feiernden.

apllaus

rotehand Das Publikum ist an den beiden Theater-Abenden im „Reinhart" aufgerufen, sich als Zeichen des Protests gegen den Missbrauch von Kindersoldaten an der Aktion „Rote Hand" zu beteiligen. Tatsächlich finden 200 Personen im Anschluss den Weg zur „Farbstation" neben dem Ausgang. Die Aktion in Hof, die Teil einer weltweiten Kampagne gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten ist, zielt darauf ab, am „Red Hand Day 2009" der UNO eine Million rote Hände zu überreichen. (Text: Christine Wild)

 
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