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Weihnachten im Land der Mitte Drucken
Geschrieben von Franziska Aurnhammer  am  Mittwoch, 10. Januar 2007

Lang, lang ist’s her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet hab und es tut mir wahnsinnig leid! Ich hab mir fuers neue Jahr unter anderem fest vorgenommen regelmaessiger zu schreiben! Jetz erzaehl ich erstmal ein bisschen wie ich Weihnachten hier, im Land der Mitte, verbracht habe:

Ich dachte ja immer dass die Weihnachtszeit ganz schlimm wird und dass ich super traurig sein werde, da ich Weihnachten ohne meine Familie verbringen muss. Ich dachte mir dann, naja, vieleicht versuch ich einfach zu ignorieren dass Weihnachten is, vielleicht hilft mir das dabei, nicht allzu traurig zu sein. Den Gedanken hab ich dann aber ganz schnell wieder verdraengt, da ich mich immer viel zu sehr auf die Weihnachtszeit freue um sie ignorieren zu koennen. Und glaubt mir, selbst wenn ichs versucht haette waer ich klaeglich daran gescheitert.

Dass Weihnachten ist, kann man in Shanghai naemlich echt nur uebersehen, wenn man die Zeit vom 1.Dez. bis Anfang Januar in nem unterirdischen Bunker verbringt! Warum? Ganz einfach… Die ganze Stadt is voll von den kitschigsten und scheusslich uebertriebensten Weihnachtsdekorationen, die man sich vorstellen kann! Vor jedem halbwegs grossem Kaufhaus steht ein kuenstlicher Christbaum (die Chance einen echten in Shanghai aufzutreiben is minimal!) von teilweise bis zu 15 Metern! Diese erstrahlen dann in Farben von gold, silber ueber blau bis hin zu lila, manchmal rot…. Nen gruenen Weihnachtsbaum?! Nee, also des is ja unzumutbar langweilig und traditionell! Oft waren das dann auch nur Stahlgestelle an denen aussen einfach so viel Lametta runter hing, dass man auf den ersten Blick gar nicht erkennen konnte, ob sich darunter jetzt ein Baum befindet oder nicht! Und beleuchtet werden diese riessen Scheusslichkeiten so gut wie rund um die Uhr!

Des klingt jetzt alles danach, dass man in China ja doch Weihnachten feiert, aber das taeuscht! Fragt man mal rum, warum man in den westlichen Kulturen eigentlich Weihnachten feiert und wo so Braeuche wie der Weihnachtsmann etc. eigentlich herkommen, so wissen die wenigsten darueber Bescheid! Und es ist ja nicht der Weihnachtsschmuck, der Weihnachten ausmacht! Fuer mich, und ich glaub da bin ich nicht die Einzige, ist Weihnachten in erster Linie ein Fest der Familie. Und dieses Jahr konnte ich ja eben nicht mit meiner Familie feiern. Ich wollte aber auch nicht meiner Gastfamilie zwanghaft versuchen Weihnachten nahe zu bringen (ich hatte den Eindruck sie warn auch nicht so interessiert dran) und hab mich deshalb dazu entschlossen, an Heilig Abend mit ein paar anderen Austauschschuelern gemeinsam in die Kirche zu gehen. Das haben wir dann auch so gemacht und es war auch super schoen! Der Gottesdienst war auf chin. Und es waren auch nur so um die 10 Auslaender in der Kirche (davon warn 6 von uns), der Rest war alles ein Teil der christlichen Gemeinde in Shanghai, die immer mehr zunimmt. Die Kirche war von der Groesse her vielleicht mit der Michaeliskirche vergleichbar. Der Gottesdienst war 2 h lang! Es wurde aber ueberwiegend gesungen. Was anders war, als ich es von Weihnachten in Hof (in meinem Falle in der Christuskirche) gewohnt bin war, dass die Gemeinde lediglich ein Lied mitgesungen hat! Naemlich das letzte. Amuesant dabei war, dass mir von hinten dann ein Gesangbuch gereicht wurde. Im Text waren natuerlich nur chin. Schriftzeichen und die Noten waren auch keine Noten so wie wir sie kennen, sondern chin. Noten.

Nur kurz zur Erklaerung: Chin. Noten haben z.b. keine Notenzeilen oder sowas sondern es sind ledigilch Boegen, die sich mal nach unten, mal nach oben biegen und ueber denen stehen dann Nummern. Ich kann an der Stelle jetz leider keine weitere Erklaerung liefern, weil ich damit noch nicht vertraut bin! Da stand ich also inmitten von lauter Chinesen (wir warn bisschen spaet dran und mussten uns deshalb in der Kirche verteilen) und alle glotzen mich total erwartungsvoll an! Ja naja…die Singerei sah dann so aus (bzw. hoerte sich so an), dass ich immer schoen mit gebrummelt hab …lalalala… hmhmhmhm und so weiter und immer wenn ich ein Zeichen kannte hab ich dann schoen laut “reingeroehrt”!:-) Des is garnet so einfach! Manchmal muss man halt erstmal ueberlegen wie denn das Zeichen nochmal gleich heisst und schwups schon is des Lied aber bereits ne halbe Zeile weiter! Aber war auch mal ein nettes Erlebnis.

Anschliessend sind wir dann noch in einem dt. Restaurant essen gegangen. War aber enttaeuschend! Die schlechtesete Weihnachtsgans, die ich je gegessen hab, aber was solls, naechstes Weihnachten bin ich ja wieder in Dtl.! Alles in allem war es ein sehr schoener Tag! Und ich hab ihn ganz ohne die erwarteten "Heul-ausbrueche" ueberstanden! Aber ich glaub, waer ich Heiligabend nicht in der Kirche gewesen, haett ich kaum wahrgenommen, dass Weihnachten ist!

Etwas gab es aber doch, dass mir oder uns (Austauschschueler) allen doch vor Augen gefuehrt hat, dass Weihnachten ist. Die guten alten Schwimmreifen, die man da so alljaehrlich um diese Zeit um die Wampe rum hat! Das lag wohl an dem Weihnachtspaket meiner Eltern, in dem ich jede Menge Schokolade, Plaetzchen und Lebkuchen vorgefunden hab, naja und was soll ma da machen? Des Zeug koennt ja schlecht werden ,ne?:-) Selbst gebacken hab ich auch 2 mal. War aber sehr schwierig, da man erstmal in China wen finden muss, der im Besitz eines Ofens ist! Sowas benutzten Chinesen naemlich nicht! Aber ich hatte Glueck, dass ich da wen gefunden hab! Vom Besorgen der Zutaten mal ganz zu schweigen!

Im naechsten Blog erzaehl ich dann kurz von Silvester in Shanghai!

Viele liebe Gruesse Franzi

 
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